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Bacchus und die bürgerliche Ordnung
Die Kultur des Trinkens im frühneuzeitlichen Augsburg
von B. Ann Tlusty
 

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Preis: 21.80 EUR
(inkl. MwSt., zzgl. Versand)


Studien zur Geschichte des bayerischen Schwaben, Band 34 (Hrsg. Kießling, Rolf) 

· Dieses Buch entwirft ein faszinierendes Panorama städtischen Lebens in der Frühen Neuzeit (ca. 1500 bis 1700) unter einem ganz neuartigen Blickwinkel: der zentralen Rolle, die der Alkohol im privaten, gesellschaftlichen und öffentlichen Bereich spielte. Ausgehend von den reichen Augsburger Archivbeständen wird die Sozialgeschichte des Alkoholkonsums, vom Bettler bis zum patrizischen Ratsherrn, rekonstruiert. Die Entwicklung der Brauerei- und Weinwirtschaften, Trinkbräuche der Handwerker, Alkohol in den Geschlechterbeziehungen, im Familienleben, in medizinischer Theorie und Praxis, die Sorge der weltlichen und geistlichen Autoritäten um die körperliche, seelische und wirtschaftliche Gesundheit der Bevölkerung und nicht zuletzt die zentrale Bedeutung der Alkoholsteuern für den städtischen Haushalt – diese und eine Fülle weiterer Aspekte verbinden sich zu einem umfassenden und plastischen Gesamtbild.

Zur Autorin:
B. Ann Tlusty ist Associate Professor für Geschichte an der Bucknell University in Lewisburg, Pennsylvania, USA.
 
· 304 Seiten, Abbildungen: 10 Abb., 2Ktn., 3 Graf., Paperback, Format 23,0 x 16,0 cm 
· Erscheinungsdatum: 12.12.2005 
· ISBN 978-3-89639-513-9 
· lieferbar

Rezensionen

Bastian Fleermann, sehepunkte, 06/2006
... Im Mittelpunkt dieser Untersuchungen stehen neben dem empirisch fassbaren Verbrauch, der Besteuerung oder der Herstellung von Alkoholika vor allem die alltäglichen Ausprägungen und kulturellen Normensysteme, auf die der gesellschaftliche Umgang mit berauschenden Getränken schließen lässt. Der vorliegende Band der amerikanischen Historikerin B. Ann Tlusty beweist erneut, welche entscheidende Schlüsselrolle der Alkohol in den europäischen Gesellschaften als Indikator für sozialhistorische Prozesse einnahm. Zugleich zeigen sich die ungebrochenen methodologischen Vorzüge der Mikrostudie, welche die Autorin für die Reichsstadt Augsburg ganz ähnlich angewandt hat wie beispielsweise Gunther Hirschfelder kürzlich für die frühindustriellen Gewerbezentren Aachen und Manchester.
... Wichtigstes Hauptaugenmerk jedoch wird auf die Position des Trinkens in der städtischen Ordnung gerichtet. Hierbei wird deutlich, dass die Unterschiede der Getränke, ihrer Preise, ihrer Konsumenten, ihrer Konsumart und ihrer kulturellen Wertzuschreibung ganz beträchtlich waren. Dieser differenzierte Blick auf einen Teilaspekt der Alltagskultur dient der Autorin dazu, Machtstrukturen aufzuzeigen und auf zum Teil recht statische Grenzen der frühneuzeitlichen Ständegesellschaft hinzuweisen. Alkohol und sein facettenreiches Kulturumfeld dienen hierbei als wichtige Zeichen dafür, wie die vormoderne Gesellschaft in ihren innersten, fast intimsten Strukturen funktioniert hat: "Mit wem man gemeinsam trank, blieb kaum jemals dem Zufall überlassen, und selbst exzessive Trinkgelage verliefen selten gänzlich ungezügelt und regellos" (256). Kern dieser Zusammenhänge sind laut Tlusty eben jene zahlreichen ungeschriebenen und geschriebenen Regeln des gemeinschaftlichen Trinkens. Ungeschrieben, weil viele von ihnen auf überlieferten Volkstraditionen basierten; geschrieben, da es viel mehr normative und obrigkeitliche Eingriffe in den öffentlichen Alkoholkonsum gegeben hat, als es die bisherige Forschung anhand von kommunalen Steuerlisten oder rechtlichen Verordnungen nachweisen konnte. Hierin liegt der eigentliche Gewinn des Werkes. ... Dem Anspruch, mit einer Mikrostudie auch auf überregionale, historisch "große" Verhältnisse schließen zu können, kommt der vorliegende Band an vielen Stellen erfolgreich nach. Ein komparatistischer Ansatz, der Vergleiche zwischen Augsburg und einer vergleichbaren westeuropäischen Stadt in England, Brabant oder Frankreich ziehen könnte, würde wohl dazu beitragen, auch nationale Stereotype von der "deutschen Trunkenheit" von einer neuen Seite her zu beleuchten. Jedoch stehen tiefer gehende und interdisziplinäre Studien zum Alkoholkonsum im europäischen Kontext in weiten Teilen noch aus. Tlustys Werk könnte hierfür ein wichtiger und überzeugender Anlaufpunkt sein und zu weiteren Forschungen anregen. Als Teil der vormodernen Alltagskultur nimmt der Alkohol eine wesentliche Rolle ein. Von daher dürfte der zu besprechende Band jeden überzeugen, der an diesem Tatbestand bisher seine Zweifel hatte. Aufgrund des für die konventionelle Geschichtswissenschaft, die überwiegend eben nicht die alltagshistorische Komponente fokussiert, immer noch ungewöhnlichen (weil kulturalen) Perspektivenspektrums, den das Buch wohltuend und gelungen eröffnet, ist ihm eine breite Leserschaft in der Fachwelt durchaus zu wünschen.


Mark Häberlein, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 94. Band, Heft 03/2007
Der Weingott Bacchus und die bürgerliche Ordnung der frühneuzeitlichen Stadt werden in der sozial- und kulturhistorischen Literatur meist als Gegensatzpaar gesehen: Der nach Ansicht in- und ausländischer Beobachter exzessive Alkoholkonsum der deutschen Bevölkerung im konfessionellen Zeitalter schien die gesellschaftliche Ordnung zu unterminieren, und die städtischen Wirtshäuser werden gerne als Stätten des Lasters und bevorzugte Aufenthaltsorte zwielichtiger Gestalten dargestellt. Dass eine solche Sichtweise mit der Realität wenig gemein hat, zeigt die 2001 auf englisch erschienene und von Helmut Graser einfühlsam und kompetent ins Deutsche übersetzte Arbeit der amerikanischen Historikerin Ann Tlusty. Die historisch-anthropologische Studie, die auf umfangreichem Archivmaterial beruht, fragt nach den "sozialen Funktionen" und der "kulturellen Komplexität" (S. 7) des Trinkens in einer großen süddeutschen Reichsstadt. Die wichtigste Quellengrundlage bilden die Augsburger Gerichtsakten, doch Tlusty hat für ihre Rekonstruktion der Wirtshaus- und Trinkkultur auch Steuerbücher, Chroniken, Ratsprotokolle, Rechnungsbücher, Verordnungen und Handwerkerakten ausgewertet. ... Durch die umsichtige Interpretation des reichen Quellenmaterials gelingt es Tlusty, ein vielschichtiges Bild des frühneuzeitlichen Wirtshauses zu zeichnen. Man darf gespannt sein, inwieweit derzeit in Arbeit befindliche und künftige Studien zu anderen Städten die Ergebnisse dieser ertragreichen Studie bestätigen bzw. modifizieren.

Augsburger Allgemeine Zeitung, 05.09.2008
Nicht selten sorgen heutzutage Trinkexzesse für Schlagzeilen. Dabei sind Alkohol und dessen Auswirkungen in keiner Weise auf die Gegenwart beschränkt, wie ein Buch der Amerikanerin B. Ann Tlusty zeigt. In jahrelanger Recherche hat sie sich dem Thema des Alkohols in der Frühen Neuzeit im Allgemeinen und dem Trinken in Augsburg im Besonderen angenähert. Unter dem Titel "Bacchus und die bürgerliche Ordnung" liegen die lesenswerten, da immer wieder höchst amüsanten Ergebnisse im Wißner-Verlag vor. Übersetzt hatte die Erkenntnisse zur Kultur des Trinkens der Mediävist Helmut Graser.

Roswitha Mitulla, Katholische SonntagsZeitung, 18./19.04.2009
Ein umfangreiches Orts- Personen- und Sachregister lädt dazu ein, das ein oder andere nachzuschlagen und ein bisschen "quer" zu lesen. Die Themen sind verlockend, das Bildmaterial anschaulich. … Die elf Kapitel des Buches, die sich einzeln lesen lassen, geben einen Einblick in ein Jahrhundert, dass vor Problemen stand, die uns heute nicht unbekannt sind.

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